Bahamabeige






















Zum ersten Mal gehört habe ich dieses Wort zu einer Zeit, als die Farbe bereits am Auslaufen war.
Bahamabeige verbindet fotografische Dokumentation mit autobiografischer Spurensuche und kulturwissenschaftlicher Recherche. Ausgangspunkt ist das Badezimmer meiner Großmutter, dessen Ausstattung in der Farbe Bahamabeige aus den späten 1970er Jahren nahezu unverändert erhalten geblieben ist. Die titelgebende Sanitärfarbe wird zum Anlass für eine Recherche nach ihrer Herkunft, Herstellung und kulturgeschichtlichen Bedeutung. Gespräche mit Herstellern, Verbänden und Archiven sowie die Untersuchung historischer Farbmuster und Produktkataloge machen sichtbar, wie sich Farbcodes, industrielle Standards und Vorstellungen von Modernität und Wohnkultur in alltäglichen Dingen materialisieren.
Die Recherche öffnet zugleich einen biografischen und erinnerungsgeschichtlichen Raum. Das Badezimmer verweist auf die Lebensgeschichte meiner Großmutter, deren Kindheit und Jugend von Armut, nationalsozialistischer Verfolgung, Krieg und körperlicher Entbehrung geprägt waren. Die Entscheidung für Bahamabeige erscheint vor diesem Hintergrund als Teil einer Nachkriegsgeschichte des materiellen Aufbruchs und als mögliche Sehnsuchtsprojektion: Die exotisch konnotierte Farbe evoziert Wärme, Urlaub und eine imaginierte Ferne und steht damit in einem spannungsreichen Verhältnis zu den Erfahrungen der vorausgegangenen Generation.
Ergänzt wird der Text durch eine Serie von etwa zwanzig Fotografien, die Details des erhaltenen Badezimmers isolieren. Fliesen, Keramik, Armaturen und Oberflächen werden aus ihrem funktionalen Zusammenhang gelöst und als visuelle Spuren einer vergangenen Alltagskultur betrachtet. Die fotografische Praxis bewegt sich dabei zwischen Dokumentation, typologischer Betrachtung und poetischer Materialbeobachtung. Das Badezimmer wird zum Archiv, in dem sich persönliche Erinnerung, industrielle Gestaltungsgeschichte und gesellschaftlicher Wandel überlagern.